Trockenheit im Auwald

HITZE UND TROCKENHEIT IM AUWALD

Wer in diesen Wochen draußen unterwegs ist, wähnt sich bereits beim Herbstspaziergang. Als Schutzreaktion auf die Hitze und Trockenheit werfen viele Bäume teilweise oder sogar komplett ihr Blattwerk ab. Die im langjährigen Vergleich deutlich zu hohen Temperaturen und geringen Niederschläge des heurigen Jahres haben vielerorts zum Austrocknen der oberen Bodenschicht geführt. Gleichzeitig fehlt die kühlende Wirkung der Verdunstung.

Seit 2018 ist in ganz Europa ein Biomasseverlust, also die organische Masse an Bäumen und Pflanzen, zu beklagen. Für die Ökosysteme ist das eine besorgniserregende Entwicklung: Während zunehmende Dürren Bäume schwächen, verbessern sie die Lebensbedingungen für Schädlinge und Neophyten.

In Augebieten gibt es besonders vielfältige Lebensräume, Niedrigwasser gehört zum natürlichen Rhythmus der Auen. Werden die Trockenphasen jedoch häufiger und länger, gerät ihr ökologisches Gleichgewicht aus dem Takt. Stressschäden an Wurzeln und Wasserkanälen im Stamm benötigen Zeit zur Reparatur. Ältere Bäume können aufgrund ihrer Verwurzelung in tieferen Bodenschichten zumeist noch ausreichend Wasserreserven finden.

Flachere Augewässer wie Amphibientümpel trockneten heuer in der Stockerauer Au weitgehend aus, das verbleibende Wasser im Augebiet wird wärmer und sauerstoffärmer, womit sich die Lebensbedingungen für viele Tiere und Pflanzen verschlechtern.

Besonders gefährdet sind diejenigen Baumarten, die feuchte Böden brauchen wie Weiden und Pappeln. Aber auch Frösche, Fische, Muscheln und Libellenlarven verlieren Nahrung und Rückzugsorte, Vögel wandern ab. Die so entstehenden Lücken werden von trockenheitsverträglicheren und neu eingewanderten Arten (Neophyten) ersetzt.

Auen leben vom Wechsel zwischen Überflutung und Trockenfallen. Sie entwickeln eine Schutzfunktion als gleichzeitiger Wasserspeicher in Dürrezeiten sowie als Schutzschwamm bei Starkregen, außerdem sind sie grüne Klimaanlagen.

Der Auwald ist ein artenreicher Mischwald, der sich durch Naturverjüngung und naturnaher Bewirtschaftung mit Einzelstammentnahme als widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse erwiesen hat als gepflanzte Monokulturen auf Kahlschlagflächen. Mit seinem Blätterdach übt der Auwald eine wichtige Schutzfunktion gegen den Klimawandel aus und schützt so Waldorganismen vor Temperaturextremen. Öffnet sich das Kronendach, beispielsweise durch Bewirtschaftung oder Störungen, sind Waldpflanzen abrupt einem Klima ausgesetzt, das sie nicht vertragen. Die Bewuchsdichte und Strukturvielfalt ist entscheidend für die Artenvielfalt im Wald. Waldbewirtschaftung in Form von flächigen forstlichen Eingriffen hat eine unmittelbare Auswirkung auf die Klimabedingungen im Waldesinnern und einen negativen Einfluss auf die Biodiversität.

Wichtig ist auch, mehr Regenwasser zu verteilen und aus bebauten Gebieten in die Landschaft zu bringen, um geleerte Grundwasserspeicher wieder aufzufüllen und somit für den Sommer ein besseres Polster zu haben. Gräben könnten dafür durchgängig gemacht und alte Nebenarme wie der Gießgang besser an die Donau angebunden werden. Dafür ist die öffentliche Hand gefordert.

Abgeworfene Blätter bereits Mitte August 2026 durch Trockenheitsstress