Europaschutzgebiet

Europaschutzgebiet (ESG) „Tullnerfelder Donauauen“

Das Naturschutzgebiet der Stockerauer Au ist Teil des „Europaschutzgebietes Tullnerfelder Donauauen“, dem größten zusammenhängenden Augebiet Österreichs. Mit 180 km2 Gesamtfläche erstreckt sich das Gebiet entlang der Donau zwischen der Wachau (Krems) und der Wiener Pforte in Klosterneuburg.

Europaschutzgebiete sind Teil des EU-weiten Netzwerks „Natura 2000“ mit dem Ziel, seltene und gefährdete Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten dauerhaft zu erhalten.

Die rechtliche Grundlage bilden zwei EU-Gesetze: 

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und Vogelschutzrichtlinie als bindendes Instrument für den Naturschutz. Im Jahr 2004 wurde das „Vogelschutzgebiet Tullnerfelder Donauauen“ als erstes Europaschutzgebiet in Niederösterreich mit Verordnung ausgewiesen (LGBI. 5500/6-0).

Neben Auwäldern und Augewässern umfasst das Gebiet auch Auwiesen sowie Ackerflächen. Die größten Flächen werden von Hartholzauen mit Eichen, Ulmen, Eschen und Ahorn als wichtigste Baumarten eingenommen. Weichholzauen mit Weiden, Grauerlen und Pappeln finden sich vor allem im Bereich ehemaliger Altarme und entlang der Augewässer.

Die Gewässer umfassen neben der Donau und ihren Altwässern auch die in den Gießgang einmündenden Hinterlandbäche Senningbach, Göllersbach und Schmida. Im Zuge des Kraftwerkbaus wurden – als Ersatz für die abgedämmte Donau – ehemalige Nebenarme wie das Krumpenwasser im Bereich Stockerau zum sogenannten „Gießgang“ verbunden.

Floristische Besonderheiten sind vor allem auf den seit Jahrhunderten bestehenden Auwiesen und an Augewässern zu finden.

Zahlreiche besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten kommen hier nachweislich vor:

  • Auf den Wiesen wurden seltene und gefährdete Pflanzenarten wie Sibirische Schwertlilie, Frauenschuh und Orchideen nachgewiesen
  • Gefährdete Pflanzen der Altwässer sind Pfeilkraut und Gelbe Teichrose
  • Viele Fischarten haben aktuelle Vorkommen wie Zingel und Steinbeisser
  • Das Gebiet bietet viele Laichgewässer für die Amphibien Donau-Kammmolch und Rotbauchunke
  • In den naturnahen Au-Waldbeständen finden im Holz lebende xylobionte Käferarten wie Hirsch- und Scharlachkäfer Brutmöglichkeiten vor
  • Unter den Schmetterlingen sind die Vorkommen von Eschen-Scheckenfalter und Großem Feuerfalter besonders erwähnenswert
  • Verschiedene Vogelarten wie Grau-, Schwarz- und Mittelspecht sowie der Neuntöter
  • Nach der Roten Liste der Waldbiotoptypen Österreichs werden Weidenauwälder in der höchsten Gefährdungskategorie geführt

Die Gefährdungsursachen ergeben sich aus intensiven Forstbewirtschaftungsmethoden (Bestandsumwandlungen), der jagdlichen Nutzung (Nachtaktivität der Tiere, Fütterung, erhöhter Wildverbiss), dem Klimawandel und der Biodiversitätskrise.

Aktive forstliche Maßnahmen der Waldbewirtschaftung setzen der Artenvielfalt seit dem Jahr 2022 mit Kahlschlägen, Mulchungen und dem Einsatz schwerer Forstmaschinen in der Stockerauer Au zu. Die vollständige Zerstörung von wichtigen Lebensräumen und Strukturen durch diese massiven Kahlschläge führen zu einer langfristigen Zerstörung von Fortpflanzungs-, Überwinterungs- und Ruheplätzen für Wildtiere wie Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Reptilien, Schmetterlinge sowie Totholzkäfer und deren Entwicklungsstadien.

Eine Bewirtschaftung der Lebensräume muss nicht immer einen Nachteil für einzelne Arten mit sich ziehen. Solange sich der Erhaltungszustand der Populationen nicht verschlechtert, ist diese auch in Schutzgebieten möglich und oft sogar notwendig – wie z.B. die Wiesenmahd.

Wir setzen uns auf verschiedenen Ebenen für die Erhaltung der biologischen Artenvielfalt mit alt- und totholzreichen Waldbeständen, einer naturnahen Baumartenzusammensetzung und natürlichen Lebensräume entlang von Augewässern und auf Wiesen ein.

Basis sind die Richtlinien des Rates, gut zusammengefasst in der Broschüre „Managementplan“.