Warum gibt es über den Umgang mit der Stockerauer Au so gegensätzliche Ansichten?
Hier einige Fakten:
Unbestritten ist, dass nach dem massiven Eschensterben diese Hauptbaumart mit lokalen Nachpflanzungen bzw. Schutz der Naturverjüngung ersetzt werden muss. Eine natürliche Regeneration würde lange dauern und die Entwicklung wäre aufgrund des hohen Wilddruckes ungewiss.
Rückblick 2019: Stadtrat Hödl (ÖVP) warnte vor den Folgen der Wegehaftung von Gemeindeverantwortlichen, konkret der Bürgermeisterin, falls durch umstürzende Eschen jemand verletzt wird und schlug vor, entlang von allen öffentlichen Wegen der Au 90 Meter breite Sicherheitsschneisen mit Harvestern (schweren Holzerntemaschinen) zu schlagen (beidseitig 45 m = je 1 ½ Baumhöhen). Damit wäre das Erscheinungsbild der Au de facto zerstört gewesen. Aufgrund von massiven Protesten aus der Bevölkerung wurde davon abgesehen.
Es werden seither laufend erkrankte Eschen entnommen, aber nicht nur jene, die ein Sicherheitsrisiko darstellen, sondern möglichst viele, um das Holz verkaufen zu können. Dafür wurden zusätzliche Forstwege freigeschnitten und nach Entnahme der Eschen und anderen Baumarten alles, was nicht gewinnbringend ist, maschinell zerhackt, um monokulturartige Forstplantagen anlegen zu können.
Damit wird das Ökosystem Au in seiner Gesamtheit Stück für Stück zerstört und in einen Wirtschaftswald umgewandelt.
Warum wird so radikal vorgegangen?
Die Stadtgemeinde hat einen Förster angestellt, um das Problem der Eschen in den Griff zu bekommen und Haftungen auszuschließen. Er arbeitet, wie er es als Förster für Wirtschaftswälder gelernt hat und wie es der zuständige Stadtrat von anderen Forstbesitzern, für die er leitend tätig ist, kennt und gutheißt.
Der finanzielle Aufwand für Förstergehalt, Maschinen und Fremdfirmen ist sehr hoch, deshalb muss auch sehr viel Holz geerntet und verkauft werden.
Dass dabei die EU-Richtlinien für das Natura 2000-Schutzgebiet und die Vorgaben des NÖ-Naturschutzgebietgesetzes missachtet werden, wird in Abrede gestellt.
Deshalb wird derzeit gerichtlich geprüft, ob die Zustimmung der BH zu der derzeitigen Vorgangsweise rechtens ist. Dass die Stadt hohe Summen für einen eigenen Rechtsanwalt ausgibt, obwohl sie nicht belangte Behörde ist, gibt sehr zu denken.
Ein weiterer Rückzieher wäre für den zuständigen Stadtrat und die gesamte Stadtregierung höchst unangenehm. Eingeständnisse kommen nicht in Frage. Daher wird die fachliche Diskussion verweigert und die Bevölkerung einseitig informiert.
Was sagen die Fachleute aus der Wissenschaft?
Sie sind entsetzt über die Vorgänge. Es werden Lebensräume zerstört und in andere, weniger wertvolle Lebensräume umgewandelt. Es werden zum Teil die falschen Baumarten in falscher Weise an falschen Stellen gepflanzt. Es wird keine Rücksicht auf unzählige, teils streng geschützte Tierarten genommen.
Was sagen andere Waldexperten?
Es gibt wesentlich schonendere Möglichkeiten, einen natürlichen, dauerhaften Auwald zu erhalten und damit eines der letzten großen naturnahen Augebiete Mitteleuropas!
Was sagen Insider?
Es gibt noch ganz andere Gründe, warum man die Umwandlung durchziehen will…
2026/01

