Eschentriebsterben

DAS ESCHENTRIEBSTERBEN

Die Esche

Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ist eine Laubbaumart, die bis zu 40 Meter hoch und etwa 300 Jahre alt wird. Das Holz der Esche wird vielfältig, z.B. im Möbelbau verwendet, bei der Herstellung von Sportgeräten und Parkettböden, als Stiele für Werkzeuge oder zu Brennholz verarbeitet.

Eine Erkrankung an europaweiten Eschenbeständen aller Altersgruppen ist das Eschentriebsterben, hervorgerufen durch einen aus Ostasien stammenden Pilzerreger: dem „Falschen Weißen Stengelbecherchen“ (Hymenoscyphus fraxineus)

Symptome der Baumkrankheit

Pilzsporen gelangen über die Blattnarben der Blätter in den Baum. Die Blätter verwelken und die Triebe, Zweige und Äste des Baumes sterben ab. Es bilden sich dabei kleine, lokale Rindennekrosen sowie braune bis graue Verfärbungen im Holz. Die Kronen der Bäume erscheinen lückig und ohne frisches Grün. Verwelkte, braunschwarz verfärbte Blätter bleiben lange an den Zweigen hängen. Um den Schaden zu kompensieren, bildet die Esche Ersatztriebe. Durch das Absterben der Wurzeln werden die Bäume instabil und können umstürzen.

Kranker Eschenstamm

Betroffen sind Eschen allen Alters und Dimensionen. Durch die Infektion mit dem Pilzerreger sind die Bäume geschwächt und anfällig für weitere Schadorganismen, wie HolzfäuleErreger (z.B. Hallimasche). Die Dauer bis zum Absterben des Baumes variiert.

Verwechslungsmöglichkeiten

  • mehrjähriger Baumkrebs

  • Blattspindel-Nekrose

  • Bakterienkrebs der Esche

  • Pilz Weißes Stengelbecherchen (Hymenoscyphus albidus), für europäische Eschen harmlos

  • Zustand nach Frosteinwirkung

  • Kronendegeneration an Alt-Eschen aufgrund abiotischer Ursachen wie Trockenheit oder Grundwasserabsenkung

  • mehrere Schadbilder gemeinsam

Betroffene Eschenarten

Bisher hat der Pilz des Falschen Weißen Stengelbecherchens hauptsächlich die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) befallen sowie die schmalblättrige Esche (Fraxinus angustifolia).

Im Morgenfrost © Pixabay

Maßnahmen

Aus forstwirtschaftlichen Gründen wurden und werden vorbeugend Eschenbestände in großem Umfang komplett entnommen. Durch diese Art der Waldbewirtschaftung nahm man der Baumart Esche die Chance, Resistenzen herauszubilden und so Individuen zu bilden, die dem Befall widerstehen. Das Eschentriebsterben gibt es aber nach wie vor: Bis heute sind keine wirkungsvollen Maßnahmen gegen das Eschentriebsterben bekannt, die Existenz der Esche als wertvolle Baumart ist bedroht.

 

Sanitärhiebe

© Wolfblur Pixabay

Umfangreiche Holzeinschläge in geschützten Wäldern nehmen weltweit zu, so auch in unserer Stockerauer Au. Sanitärhiebe sind dort, wo die Holzproduktion im Vordergrund steht, sinnvoll, um Holz noch rechtzeitig einer gewinnbringenden Verwendung zuzuführen. Für die Biodiversität im Wald und auch für seine Regenerationsfähigkeit sind sie es jedoch nicht.

Wir lehnen Sanitärhiebe als Maßnahme zur Eindämmung des Schlauchpilzes Falsches Weißes Stengelbecherchen entschieden ab, da sie einen enormen Eingriff darstellen, die Biodiversität massiv darunter leidet und die Erfolgschancen von Experten angezweifelt werden.

Das Prinzip der Sanitärhiebe sieht vor, alle vermeintlich betroffenen Bäume einer Art vorbeugend aus dem Wald zu entnehmen, bevor die Holzentwertung beginnt oder Holzschädlinge sich ausbreiten. Oft als Schädlingskontrolle getarnt, stehen meist wirtschaftliche Interessen im Vordergrund (Müller et al. 2018).

Maßnahmen zum Schutz der Esche

Die meisten Eschen sterben durch die Erkrankung ab, jedoch zeigen einige Einzelbäume keine Symptome oder Absterbe-Erscheinungen. Besonders Eschen an feuchten Standorten sind einem hohen Infektionsdruck ausgesetzt, da Feuchtigkeit die Sporenbildung und den Infektionserfolg des Pilzes fördert, vor allem an der Stammbasis.

In verschiedenen Eschenbeständen findet man jedoch immer wieder einzelne Eschen, die gar keine oder nur sehr geringe Krankheitssymptome aufweisen. Aufgrund dieser Beobachtungen schätzt man, dass bis zu 5 Prozent der Eschen dank ihrer genetischen Ausstattung weniger anfällig oder gar resistent gegenüber dieser Krankheit sind. Dazu laufen internationale Forschungsvorhaben, die diese Resistenz untersuchen. An Straßen, Alleen und Wanderwegen werden befallene Bäume für die Verkehrssicherung entnommen.

Während sich viele Menschen massiv für den Erhalt grüner, reifer Wälder aussprechen, gelten chaotische Waldflächen als sanierungsbedürftig. Selbst der Einsatz von großen Forstmaschinen in Schutzgebieten ist dann gesellschaftlich vielerorts akzeptiert. Lokale Expert:innen, die sich dagegen aussprechen und Einzelstammentnahmen betroffener Bäume im Zuge von Wegesicherungsmaßnahmen fordern, sind häufig auf sich alleine gestellt. Das Wissen um das Ökosystem Wald ist hierbei unerlässlich.

Kahlschlagflächen in Stockerau

Seit dem Jahr 2022 wurden im Schutzgebiet der Stockerauer Au auf rund 54.200 m² (5,42 ha) Kahlschläge mit Mulchungen wegen des Eschentriebsterbens durchgeführt. 21 Flächen sind nun für viele Jahre eingezäunt, nachdem die vorhandene Vegetation mit schwerem Forstgerät beseitigt wurde.

Schutzgebiet

Ob als Brutplatz, Ruhestätte, Überwinterungsquartier oder Nahrungsgrundlage, viele Tiere sind auf heimische Höhlenbäume und Sträucher angewiesen, darunter auch sogenannte Anhang II und IV-Arten nach der Natura 2000-Richtlinie. Auch kleinen Singvögeln wird ihr gewohntes Revier im Vogelschutzgebiet genommen. Selbst ohne tiefere Kenntnis des fachlichen Hintergrunds werden die getätigten Eingriffe im Stockerauer Natur- und Europaschutzgebiet von Teilen der Bevölkerung als äußerst besorgniserregend wahrgenommen.

Gesunde Esche im Stockerauer Augebiet

Quellen:

Totgeglaubte leben länger: Esche hat in heimischen Wäldern Zukunft

Eschentriebsterben – Biologie, Krankheitssymptome und Handlungsempfehlungen – waldwissen.net

Die Symptome des Eschentriebsterbens – waldwissen.net

Geschützte Arten und Dokumentenpflicht