Kahlschläge in der Stockerauer Au

Kahlschlagfläche „Langer Lainboden“ mit 1610 m², Parzelle Nr. 1976, Aufnahme v. 1.3.2025, © Netzwerk Au Stockerau

Beim Spaziergang oder bei der Radtour durch die Au fallen immer wieder eingezäunte, fast baumlose Areale auf.

Was hat es damit auf sich ?

Seit einigen Jahren werden in ganz Europa Eschen von einem Schadpilz befallen und sterben langsam ab. Ob, bzw. wie viele resistente Eschen es gibt, ist noch unklar.

Forstbetriebe, die wirtschaftlich arbeiten müssen, entnehmen nun die erkrankten und abgestorbenen Eschen, solange das Holz verwendbar ist.

Die fehlenden Bäume müssen dann mit standorttypischen, geeigneten Arten nachgepflanzt werden.

In Stockerau ist die Sache etwas anders.

Kahlschlagfläche „Alter Holzstattboden“ mit 4,947 m², Parz. Nr. 1883, Aufnahme v. 1.3.2025 , © Netzwerk Au Stockerau

Hier stehen die Eschen im doppelt geschützten Gebiet. Im Naturschutzgebiet innerhalb des Europaschutzgebietes Tullnerfelder Donauauen. Schonende Bewirtschaftung mit Wegesicherung und Einzelentnahmen sind hier erlaubt. Tatsächlich werden aber alle erreichbaren Eschen, auch abseits der Wege, geerntet, weil sie Geld bringen. Zu diesem Zweck werden zusätzliche Forststraßen freigeschnitten, mit  allen Bäumen die „im Weg“ sind. Entstehen durch die Fällungen dann Flächen mit wenig Bäumen, werden auch die wirtschaftlich nicht interessanten Bäume entfernt.

 

Die verbleibenden Sträucher und alles Totholz das da liegt, werden mit einem 15-TonnenForstmulcher zerhackt. Ergebnis ist ein Acker mit ganz vereinzelten   „Alibibäumen“. Dieser Acker wird eingezäunt und nach alter Forstmanier in Reih´und Glied monokulturartig neu bepflanzt. Das ist eine aus Wirtschaftssicht übliche maschinengerechte Maßnahme.

Aus ökologischer Sicht ist es der Super-GAU. Das gesamte Ökosystem wird zerstört, unzählige Tiere in ihren Höhlen und Verstecken werden zerhackt oder ihre Rückzugsmöglichkeiten auf Jahrzehnte vernichtet.

Der Boden wird der Sonne preisgegeben, trocknet aus und die Kühlfunktion für Au und Stadt ist dahin. Zusätzlich sind die freigehackten Flächen eine Einladung an invasive fremde Pflanzen zur Ansiedelung. Optisch wird die Au zur Baumschule ohne die wichtigen Gesamtfunktionen. Schließlich werden nur ganz wenige dieser winzigen Setzlinge zu stattlichen Bäumen.

Die bessere Methode wären gezielte Einzelpflanzungen von älteren Pflanzen, die nicht so oft freigemäht und auch nicht teuer eingezäunt werden müssen.

Das wäre dann eine „reparierte“ Au anstatt unsinniger Plantagen, die auf Jahrzehnte keine Lebensgemeinschaft „Au“ ersetzen können.

Unabhängige Wissenschafter:innen haben bestätigt, dass hier der falsche Weg gegangen wird und zu sofortigen Änderungen gemahnt.

Politisch und persönlich will man aber hier kein Schuldeingeständnis preisgeben, mauert trotz Gerichtsverfahren und verweigert den Dialog. Die Politik wurde jedenfalls von den falschen Fachleuten beraten, die nur Wirtschaftswälder kennen, aber keine ökologisch wertvollen Naturwälder, wie wir sie dringend brauchen und hier bisher hatten.

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